Murillo Gutier | murillo@gutier.adv.br
Zusammenfassung
Dieser Artikel untersucht die systematische Entwertung anwaltlicher Unterliegenshonorare in der brasilianischen Justiz aus psychoanalytischer Perspektive. Obwohl Art. 85 CPC klare Regeln mit ausdrücklichen Prozentsätzen, gestuften Tabellen und dem Verbot der Billigkeitsfestsetzung bei hohen Werten vorsieht, hat der STJ bereits 43 verbindliche Thesen zu diesem Thema festgelegt — ein statistisches Volumen, das ein Missverhältnis zwischen normativer Klarheit und konkreter Anwendung diagnostiziert.
Die Untersuchung stützt sich auf das Konzept der Abwehr durch Entwertung (devaluation defense) von Melanie Klein und die lacanianische Theorie des Neids, um aufzuzeigen, dass die diskretionäre Kürzung der Honorare nicht bloß ein technischer Fehler, sondern ein psychisches Symptom ist: der Versuch, den narzisstischen Schmerz zu neutralisieren, den die Existenz des guten Objekts — der anwaltlichen Vergütung — hervorruft.
Der Artikel analysiert die institutionellen Kosten dieses Symptoms — die Verarmung der Rechtssicherheit, die künstliche Inflation der Prozessführung und die symbolische Einsamkeit des Anwalts — und schlägt als Ausweg die Umwandlung des Neids in Dankbarkeit vor, die auf institutioneller Ebene die Gesetzesbefolgung und die Anerkennung der Advokatur als koessentielle Funktion der Justiz bedeutet.
Schlüsselwörter: Sucumbência-Honorare. Art. 85 CPC. Tribunalisierung. Neid. Entwertung. Melanie Klein. Lacan. Psychoanalyse und Recht. Rechtssicherheit. STJ.


