Richterlicher Aktivismus und Juristokratie: Die Entscheidung Barrosos zur Abtreibung als Paradigma selbstbegründeter Macht – Murillo Gutier

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Zusammenfassung

Der vorliegende Artikel untersucht die Phänomene des richterlichen Aktivismus, der Juristokratie und der Ministrokratie ausgehend vom Abschiedsvotum des Richters Luís Roberto Barroso zugunsten der Entkriminalisierung der Abtreibung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche. Es wird die These vertreten, dass diese Stellungnahme die typische gegenmehrheitliche Funktion der Verfassungskontrolle überschreitet und individuelle Wertpräferenzen in normative Maßstäbe überführt.

Die Studie analysiert die angewandte Entscheidungsmethode und zeigt den Rückgriff auf außerrechtliche Faktoren — Weltanschauung, persönliche Werte und individuelles Gerechtigkeitsempfinden — anstelle von Gründen, die aus dem Verfassungstext oder der geltenden Gesetzgebung abgeleitet werden. Untersucht wird ferner die Unterdrückung der demokratischen Debatte im Parlament, die Verletzung des Prinzips der Gewaltenteilung und der Bruch der Legalität als Grenzen der richterlichen Funktion.

Die Analyse wird im Lichte der Theorie der selbstbegründeten Macht von Byung-Chul Han vertieft, die in dieser Form der Machtausübung eine selbstreferentielle Logik identifiziert, die von institutioneller Legitimität abgekoppelt ist. Schließlich wird eine Reflexion über die Rolle des Supremo Tribunal Federal als gegenmehrheitliche Institution und die Risiken seiner Verwandlung in eine souveräne Instanz normativer Produktion vorgeschlagen.

Schlüsselwörter: Richterlicher Aktivismus; Juristokratie; Ministrokratie; Gewaltenteilung; Dezisionismus; Selbstbegründete Macht.


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Zwischen dem Leuchtturm und dem Labyrinth: Autonomia privada e planejamento de incapacidade no Direito Civil – Murillo Gutier

Zwischen dem Leuchtturm und dem Labyrinth

Übergeordnete Gerichte als Oberste Gerichtshöfe und die Paradoxien des Präzedenzfallmodells im brasilianischen Recht

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Zusammenfassung

Dieser Artikel analysiert das von Daniel Mitidiero, Luiz Guilherme Marinoni und Hermes Zaneti Jr. vorgeschlagene Modell der Obersten Gerichtshöfe im Kontext des brasilianischen Prozessrechts und identifiziert sechs innere Paradoxien, die seine Tragfähigkeit im Lichte der Bundesverfassung von 1988 gefährden. Unter Rückgriff auf die philosophische Analyse von Eduardo José da Fonseca Costa und die demokratische Prozesstheorie von Rosemiro Pereira Leal werden die Widersprüche zwischen dem Anspruch auf ein transzendentales Interpretationsmonopol und der verfassungsrechtlichen Funktion der übergeordneten Gerichte als Rechtsmittelgerichte herausgearbeitet. Die Studie untersucht ferner das Fehlen der notwendigen kulturellen und hermeneutischen Grundlage für ein System verbindlicher Präzedenzfälle in Brasilien und schlägt vor, dass eine genuinbrasilianische Theorie der Präzedenzfälle auf der demokratischen Legitimität, dem fairen Verfahren und der konstitutionell garantierten Beteiligung der Verfahrensparteien aufgebaut werden muss.

Schlüsselwörter: Präzedenzfälle. Oberste Gerichtshöfe. Demokratischer Rechtsstaat. Zivilprozessordnung von 2015. Bundesverfassung von 1988. Brasilianisches Prozessrecht. Rechtsprechungsdispersion. Hermeneutik. Demokratische Legitimität.


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Richteraktivismus und Juristokratie: Eine kritische Analyse der zeitgenössischen Praxis des brasilianischen Obersten Bundesgerichts – Murillo Gutier

Richteraktivismus und Juristokratie

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Zusammenfassung

Der vorliegende Artikel untersucht die Phänomene des Richteraktivismus und der Juristokratie im brasilianischen Verfassungsrecht und beleuchtet deren Auswirkungen auf die Gewaltenteilung und die demokratische Legitimität. Zunächst wird zwischen der Verrechtlichung – dem quantitativen Anstieg der Gerichtsverfahren infolge der Erweiterung der Grundrechte durch die Verfassung von 1988 – und dem Richteraktivismus als qualitativem und pathologischem Phänomen unterschieden, bei dem der Richter den Willen des Gesetzgebers durch seine eigene moralische, politische oder ideologische Weltanschauung ersetzt. Die Studie analysiert die Praxis des Supremo Tribunal Federal (STF) und thematisiert insbesondere das Problem der Ministrokratie, bei der einzelne Richter durch monokratische Entscheidungen eine individualisierte Verfassungskontrolle ausüben, die das Kollegialitätsprinzip und die demokratische Beratung untergräbt. Abschließend wird argumentiert, dass die politische Debatte in den legitimen institutionellen Räumen – insbesondere im Parlament – stattfinden muss und dass die Autonomie des Rechts und die demokratische Gewaltenteilung dem richterlichen Solipsismus Grenzen setzen müssen.

Schlüsselwörter: Richteraktivismus; Juristokratie; Gewaltenteilung; Verrechtlichung; Ministrokratie; Supremo Tribunal Federal (STF); Verfassungsmäßigkeitskontrolle; demokratische Legitimität; Kollegialitätsprinzip; richterlicher Solipsismus.


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