Murillo Gutier | murillo@gutier.adv.br
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht das Phänomen des idyllischen Konstitutionalismus — eine hermeneutische Haltung, in der die affektive Bindung zwischen Interpret und Verfassung den Gehorsam gegenüber dem realen Dokument verschleiert und durch eine idealisierte Fassung ersetzt. Ausgehend von Baron de Montesquieu und der Idee der Gewaltenteilung verbindet die Reflexion Psychoanalyse, Rechtstheorie und Rechtsprechung, um zu beschreiben, wie der Verfassungsinterpret, frustriert von Unvollkommenheiten des Verfassungstextes, auf eine als systematische Auslegung getarnte Moralitätskontrolle zurückgreift. Unter Rückgriff auf Platon, Augustinus, Carlos Ayres Britto und die Rechtsprechung des Obersten Bundesgerichts (STF) — insbesondere RE 328.232/AM und ADPF 132/RJ — werden doktrinäre Diagnosen, Beispiele aus der brasilianischen Forensikpraxis und konstitutive Episoden der Verfassunggebenden Versammlung von 1988 durchschritten. Der Beitrag vertritt die zentrale These, dass die Verfassung so anzunehmen ist, wie sie ist, mit ihren Mängeln und Widersprüchen, als unabdingbare Anforderung an jeden, der den demokratischen Rechtsstaat ernst nimmt.
Schlüsselwörter: idyllischer Konstitutionalismus; Verfassungsinterpretation; Moralitätskontrolle; demokratischer Rechtsstaat; Hermeneutik; Psychoanalyse des Rechts; Frustrationstoleranz.
Idyllischer Konstitutionalismus - Die Verfassung zwischen normativer Wirklichkeit und interpretatorischer Schwärmerei - Murillo Gutier (1 download )


